Sonntag, 25. Februar 2018

»Eucharistischer Hunger« ?




Ich staunte schon sehr, als dieser Tage die DBK unter Kardinal Marx (wer sonst?) u.a. folgendes verkündete:

Links Bedford Strohm, rechts Kardinal Marx



»….Die Orientierungshilfe geht davon aus, dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen. Das gilt insbesondere für die Ehepaare, die ihre Ehe sehr bewusst aus dem gemeinsamen christlichen Glauben leben möchten und deren Ehe schon jetzt die Konfessionen verbindet. Hier kann ein „schwerwiegendes geistliches Bedürfnis“ entstehen, das es nach dem Kirchenrecht (auf der Grundlage von c. 844 § 4 CIC) möglich macht, dass der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn hinzutritt, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejaht. Deshalb ist die zentrale Aussage des Dokumentes, dass alle, die in einer konfessionsverbindenden Ehe nach einer reiflichen Prüfung in einem geistlichen Gespräch mit dem Pfarrer oder einer mit der Seelsorge beauftragten Person zu dem Gewissensurteil gelangt sind, den Glauben der katholischen Kirche zu bejahen sowie eine „schwere geistliche Notlage“ beenden und die Sehnsucht nach der Eucharistie stillen zu wollen, zum Tisch des Herrn hinzutreten dürfen, um die Kommunion zu empfangen. Wichtig ist: Wir sprechen über Einzelfallentscheidungen, die eine sorgfältige geistliche Unterscheidung implizieren. …«    weiterlesen hier


Ich bin nun bald 56 Jahre, habe in meinem privaten als auch kirchenmusikalischem Leben wirklich sehr viele Eheschließungen mitbekommen, darunter auch die eine oder andere interkonfessionelle Verehelichung, welche dann meist in evangelischen Kirchen stattgefunden hat.
Viele dieser Ehepaare kannten sich bei der kirchlichen Trauung weder im liturgischen Ablauf, geschweige denn auf Anfrage aus, was denn ein Sakrament sei.
Wieviele von diesen Ehepartnern nach der kirchlichen Eheschließung wieder eine Kirche betreten haben, ist auch eine Frage, die man vermutlich besser nicht stellt, es könnten sich “Lebenswirklichkeiten” aufzeigen, die alles andere als einen geistlichen Hunger offenbarten.
Ich habe sehr viele Ehen auseinandergehen gesehen, wobei keine einzige aus dem o.e. Grund in die Brüche ging. Der Hunger war so gut wie immer nach einem anderen Mann/Frau oder man hatte den eigenen Partner einfach satt.
Wie man seitens der deutschen Bischofskonferenz nun darauf kommt, daß Ehen gefährdet oder gar in die Brüche gehen könnten, weil der protestantische Ehepartner nicht an der katholischen Kommunion teilnehmen darf, ist ein mysterium fidei, welches sich  wohl keinem gläubigen Katholiken  richtig erschließt.
Das derzeitige Problem an der römisch katholischen Kirche, bzw. einiger hochrangiger und v.a. deutschsprachiger Kardinäle ist, daß sie nicht wissen, wie sie ihre Anbiederung an den profanen Zeitgeist rasch genug umsetzen sollen ohne sich selbst für ein eventuell nachfolgendes, wieder etwas eindeutigeres päpstliches Lehramt “die Hände naß zu machen”. Darum wälzt man auch die Entscheidung über etwas, das nicht zu entscheiden ist, mit dem Zusatz des nebulosen Einzelfalles an die unteren Etagen, an die Priester und Seelsorger ab und schafft damit erst das richtige Chaos.
Großartig!
Euer ja ist kein ja und euer nein ist kein nein mehr.
Die Verwirrung der ohnehin nur noch wenigen Schäflein schreitet hurtig voran.
Jeder darf bald die heilige Eucharistie empfangen – es sei denn man zahlt keine katholische Kirchensteuer, dann ist man exkommuniziert und darf im Gegensatz zum geistlich hungrigen Protestanten auf keinen Fall zur Kommunion gehen.
Die Verweltlichung der röm. katholischen Kirche ist halt doch wesentlich angenehmer als die Entweltlichung, gell?

P.S.: Wenn ein Protestant tatsächlich einen geistlichen Hunger nach der Hl. Eucharistie haben sollte, dann ist doch nichts naheliegender, als daß er zum katholischen Glauben konvertiert. Was sonst soll ein “Bejahen des katholischen Glaubens” sein?
Wenn sich der quälende geistliche Hunger allerdings lediglich in der Tatsache offenbart, daß man nicht in der Kirchenbank sitzen bleiben möchte, während der katholische Ehepartner die Hl. Kommunion empfängt, dann ist das eine geistliche Notlage mit der man sehr gut leben kann und auch muß.

Kommentare:

  1. Die Sakramente stehen der Protestantisierung der Kirche in Deutschland noch entgegen. Folglich muß derjenige, der die Katholische Kirche ins protestantische Nirvana führen will, zunächst die Sakramente relativieren und schließlich ganz abschaffen. Schritt für Schritt.

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  2. Was die DBK beschlossen hat, ist nichts neues. Es ist jetzt halt offiziell. In unserer Pfarrgemeinde ist das schon seit Jahren das Übliche. Jeder, der gerade da ist, darf, egal ob getauft oder nicht, Katholik, Protestant, Moslem oder sonst was jeder erhält die hl. Eucharistie.
    Anscheinend wird dies von allen, die noch kommen, akzeptiert. Es ist halt "Barmherzigkeit".

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  3. Volltreffer! Ich grüble schon seit gestern, wie der Kardinal - als Verursacher der Chose - das ganze dann gerecht händeln will. Schließlich ist "Gerechtigkeit" sein neues großes Schlagwort (nachdem er wohl feststellen musste, dass "Solidarität" genau Null mal in der Bibel vorkommt).
    Was wird er also tun? Eine Kasse an die Kirchentür stellen? Oder müssen dir Priester dann direkt in bar abkassieren, wenn ein Protestant bei ihm vorstellig wird und um die Kommunion bittet? Oder wird es Formulare geben, in denen die künftigen protestantischen Kommunionempfänger bei ihren eigenen Kirchen einen Antrag stellen, dass deren Kirchensteuer dann direkt an die evangelische Kirche überwiesen wird? Verrechnen wird man es ja nicht können. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es Katholiken gibt, die einen derart großen "spirituellen Hunger" verspüren, dass sie künftig das evangelische Abendmahl empfangen wollen.
    Ich bin gespannt, was den Herren Eminenzen dazu einfällt.

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  4. Ich finde der Kardinal hat eine coole Sonnenbrille. Mehr gibt es zu dem Thema nicht zu sagen.

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